Umsturz der madagassischen Regierung - Turbulente Zeiten
- 12. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wir leben in Madagaskar in politisch turbulenten Zeiten. Wer hätte vor ein paar Monaten gedacht, dass alles so schnell geht und die Regierung innerhalb von wenigen Tagen gestürzt wird? Aber von vorne:
Angefangen hat alles mit einer angekündigten Demonstration am Donnerstag, den 25. September. Nachmittags waren die Protestierenden (sie nennen sich „Gen Z“) in der Innenstadt Antananarivos unterwegs. Die Kundgebungen richteten sich insbesondere gegen die katastrophale Strom- und Wasserversorgung. Seit Jahren wird diese zunehmend schlechter. Der staatliche Monopolist Jirama kann meist nur stundenweise Strom für die Einwohner der Städte (inklusive aller Geschäfte!) bereitstellen.

Oft gibt es also halbe oder ganze Tage lang Stromausfälle, welche immer unberechenbar sind. Wenn es Strom gibt, dann hat dieser oft nur eine Eingangsspannung von 110-150 Volt. Wasser kommt meist nur nachts aus den Wasserhähnen, wenn die meisten Madagassen schlafen und niemand Wasser entnimmt. Dadurch ist dann wieder genügend Wasserdruck vorhanden. Noch vor Sonnenaufgang bilden sich lange Schlangen um die Wasserentnahmestellen in der Hoffnung, noch einen Kanister für den täglichen Familienbedarf zu ergattern. Weiteren Unmut gibt es wegen der hohen Korruption, den mangelnden Bildungsmöglichkeiten, der Nahrungsversorgung und vielem mehr.

Nachdem die Polizei und das Militär die Proteste am Donnerstagnachmittag durch Einsatz von Tränengas im Zaum gehalten hatten, eskalierte die Lage am Abend immer mehr. Zunächst sah es so aus, als würden die Demonstranten selbst überreagieren und einen Laden nach dem anderen aufbrechen und plündern, ohne Einhalt der Polizei. Die Bilder in den sozialen Medien sind erschreckend!


Binnen eines Abends wurden zahlreiche größere Geschäfte wie Supermärkte, Einkaufszentren, Fahrzeughändler, Kinos, Fitnessstudios, Möbelgeschäfte etc. leergeräumt. Unglaublich! Ein Einkaufszentrum mit vielen luxuriösen Geschäften wurde sogar in Brand gesetzt.
Auch bei uns am Stadtrand hörten wir immer wieder Schüsse, die abgefeuert wurden. Der Super-U (eine Supermarktkette aus Frankreich) in unserem Stadtteil Talatamaty (ca. 2 km entfernt vom Nehemia-Zentrum) wurde ebenfalls geplündert und zerstört. Er bleibt nun, wie viele Supermärkte, erst einmal geschlossen. Zudem haben die Banken bislang zu oder nur sporadisch geöffnet. Man kann nur noch an wenigen Automaten Geld abheben.
Was sich am Donnerstag nur in der Hauptstadt ereignet hat, hat sich am nächsten Tag in den anderen größeren Städten Madagaskars wiederholt. Auch dort kam es zu Ausschreitungen und Plünderungen.
Die Proteste hielten an. Die Gen Z verkündete, dass die Kundgebungen nicht aufhören sollten, bis der Präsident sein Amt niederlegt. Damals schien es undenkbar, dass dieses Ziel erreicht werden kann!

In der jüngeren Vergangenheit Madagaskars gab es bereits 2002 und 2009 politische Machtstreitigkeiten, geprägt von monatelangen Auseinandersetzungen, Plünderungen und Ausgangssperren. Doch diesmal lief es anders: Nach nur drei Wochen anhaltender Demonstrationen hat sich ein wichtiger Teil des Militärs auf die Seite der Demonstranten gestellt. Das zeigt die kollektive Unzufriedenheit des Volkes mit der Regierung. Der Präsident, und auch andere wichtige Strippenzieher im Hintergrund der Regierung, sahen sich schutzlos der wachsenden Volkswut ausgeliefert. Sie ergriffen in einer Nacht- und Nebelaktion die Flucht, bevor sie Schlimmeres zu befürchten hätten.
Weitere Fernsehansprachen des Präsidenten, der sich vermutlich in Dubai aufhält, blieben ohne Wirkung. In seiner Abwesenheit wurde er vom obersten Verfassungsgericht Madagaskars seines Amtes enthoben. Eine Übergangsregierung des Militärs wurde eingesetzt. Die UN und die Afrikanische Union erkennen diese allerdings nicht an. Fraglich ist jedoch, wie man sonst eine solche katastrophale Regierung zum Gehen bewegen kann, wenn nicht durch solch einen vergleichsweise friedlichen Umsturz?
Ziel der neuen Regierung ist es, innerhalb von zwei Jahren demokratische Neuwahlen zu organisieren. Berichten zufolge sind die 26 neuen Minister unter Androhung personeller Konsequenzen dafür verantwortlich, innerhalb von 60 Tagen Ergebnisse zu liefern.

Klar ist: Die Regierung hat sich verändert, doch die Lebensumstände im Land sind nach wie vor die gleichen. Ein wirklicher Wandel kann nur aus dem Volk herauskommen. Und jemand, der Veränderung im Herzen der Menschen bewirken kann, ist Jesus. Wenn wir mehr "Jesus-Kultur" in den Einzelnen hervorrufen können, was eines der Hauptziele unserer Arbeit ist, dann wird sich auch das Land von innen heraus verändern.
"Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist." (Römer 12,2)



Kommentare